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Artikel Westfalen-Blatt vom 02.03.2006

Alte Schätzchen zu Geldspenden gemacht

Neues Projekt der Sozial-Aktien-Gesellschaft gestartet

Von Elke Wemhöner
und Carsten Borgmeier (Foto)
Bielefeld (WB). Ein Paar Designerschuhe, Sammelfiguren aus alten Margarine-Schachteln - selbst eine 40 Jahre alte Schachtel mit Tennisbällen hat ein dreiköpfiges Team der Sozial-Aktien-Gesellschaft über die Internet-Auktionsplattform Ebay an den Mann gebracht. Das Bemerkenswerte daran: Der erzielte Erlös fließt in die Kassen gemeinnütziger Einrichtungen.

Das System - eine Idee von Franz Schaible, Geschäftsführer der Sozial-AG - lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Sach(en)spenden, Vereine fördern. »Auf Dachböden und in Kellern schlummern richtige Schätzchen, die sich zu Geld machen lassen. Das ist unserer Part. Der erzielte Erlös kommt dann der Einrichtung zugute, die der Spender vorab festgelegt hat.« Wer möchte, bekommt über die erzielte Summe eine Spendenquittung.

Ein kleiner Raum im alten Speicherhaus an der Meisenstraße, die Regale sind bis oben hin gefüllt mit diversen Gegenständen. Ein Tisch in der Ecke, mit unifarbenem Stoff verhängt, ist das »Fotostudio«. Hier werden alle Stücke abgelichtet, die Digital-Bilder dann bei Ebay ins Internet gestellt. Und das Mitarbeiterteam verfolgt hier auch den Auktionsverlauf.

Was sie bislang schon losgeschlagen haben, hat die kühnsten Erwartungen übertroffen. Was ein echter Sammler ist, der erkennt eben sofort das Schnäppchen. Und darum handelt es sich bei all diesen Angeboten, für die das Mindestgebot 1,99 Euro beträgt.

Die Social-Bay-Angebote treffen nicht nur den richtigen Nerv der Schnäppchenjäger. Sie werden auch objektiv beschrieben und nach Zuschlag und Zugang der Geldsumme zügig verschickt. Die Bewertungsquote der Ebay-Nutzer spricht für sich: 602 positive (!) Bewertungen waren bis gestern Mittag verzeichnet. Negative Bewertungen gibt es nicht, neutrale ebenfalls nicht. »Darauf kann das Team stolz sein«, lobt Franz Schaible. Und in diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Kunden nicht nur in Ostwestfalen und in ganz Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland, ja selbst in Australien sitzen. »Da haben wir einen Crêpewender hingeschickt«, berichtet Udo Lödige. Der Kunde bedankte sich ausdrücklich für die schnelle Abwicklung.

Guten Service bietet Sozial-Bay auch den Spendern. Sie können ihre Gegenstände in einen Karton packen und diesen kostenlos an das Büro an der Meisenstraße schicken. Die Sozial-AG hat in DHL (Paketpost-Nachfolger) einen Partner gefunden, der die Spendenpakete kostenlos befördert. Einfach Paketaufkleber bei Social-Bay anfordern.

Damit erschließt sich das Projekt einen potentiellen Kundenkreis in ganz Deutschland. Erste Erfahrungen hat man schon gemacht: Eine Bürgerin aus Hamm schickte ein dickes Paket, dessen Inhalt knapp 200 Euro erbrachte. Den Erlös hatte sie von Anfang an dem Bielefelder Tierschutzverein zugedacht. Vereinsschatzmeister Helmut Tiekötter strahlt: »Die Summe fließt in den Geldtopf für unsere anstehende Katzen-Kastration.«

Im Übrigen würde Franz Schaible seinem Ruf keine Ehre machen, wenn bei diesem neuen Projekt nicht noch ein sozialer Aspekt berücksichtigt würde: Das Projekt Social-Bay wird von der Agentur für Arbeit unterstützt. Drei Personen konnten bereits im Rahmen einer AB-Maßnahme für Schwerbehinderte einen Arbeitsplatz bekommen. Ihre Maßnahme endet jetzt, und ab diesem Monat werden sogar sechs Personen in den Genuss der Förderung kommen. »AB-Maßnahmen sind jeweils auf zwölf Monate pro Person beschränkt. Wir übernehmen einen Teil der Lohnkosten«, erläutert Katja Krause von der Bundesagentur.

Uli Büscher, Projektleiter bei der Sozial-AG, ist zuversichtlich, dass Social-Bay nicht nur personell wachsen wird. »Einen weiteren Raum für die Abwicklung können wir schnell einrichten, und Lagerräume gibt es hier an der Meisenstraße genug.«